Besuch im Musikverein

Gestern war einer dieser wahrscheinlich wenigen Abende in meinem Leben, an dem ich in Begleitung ein Konzert der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Fabio Luisi im Musikverein beigewohnt habe. Am Plan stand Ludwig van Beethoven und Robert Schumann.

Bereits nach wenigen Minuten kam die erste unfreundliche Aufforderung einer in die Jahre gekommenen gnädigen Frau. „Hörns auf damit!“ sprach sie. Ich wusste tatsächlich nicht auf was die Dame hinaus, wollte daher fragte ich, für mich selbstverständlich, freundlich nach: „Was meinen Sie denn?“. Sogleich sprach Sie: „Mit Ihren Köpfen da!“. Ich war mir keiner Schuld bewusst, denn ich war leise und ruhig, so wie es sich bei einer laufenden Vorstellung gehört. Um das klassische Konzert nicht zu stören habe ich es dann dabei belassen.

Doch im Grunde genommen habe ich mir gedacht, dass sie selber vor ihrer Türe kehren sollte. Ihr war es nicht möglich leise zu sein. Immer hörte man sie sich mit einer Kette spielen. Nach der Pause holte sie zusätzlich Papier und Kugelschreiber hervor. Die ganze liebe lange Zeit lang drückte sie den Kugelschreiber zum Aus- und Einfahren der Miene, schrieb auf ihrem Block und schnaufte wie ein Walross.

Eigentlich hätte ich die Dame ebenfalls um Ruhe bittend auffordern sollen und um nochmals das Wort eigentlich zu nutzen, eigentlich wollte ich mich am Ende der Vorstellung besonders freundlich mit Worten wie: „Gnädige Frau, danke herzlichst für ihre wohlwollende Freundlichkeit. Ich wünsche Ihnen einen guten Heimweg“ bedanken, ich habe es aber dann doch sein lassen.
Ich denke jedoch: Mit Freundlichkeit kommt man einfach weiter im Leben.

Ein Gedanke zu „Besuch im Musikverein

  1. JürgenHugo

    Da bin ich ja schon wieder der erste „Kommentator“ 😛

    Wie du ja aus meinem/n Kommentar/en zu der „Desktop-Wahl“ sicher erkannt hast, bin ich noch nicht der absolute Computerexperte – aber ich hole täglich auf!

    Wie ich allerdings mit einer „in die Jahre gekommenen gnädigen Frau“ umzugehen hätte – das weiss ich schon jetzt…Auch wenn ich mir lieber die „Toten Hosen“ als Beethoven anhöre – und auch in „felix Austria“….

    (Ich bin ja auch nicht mehr 20…)

    Manchmal nützt Freundlichkeit rein gar nichts – manchmal wird auch feine Ironie nicht verstanden…

    Da hilft dann nur noch die grobe „verbale Keule“. So etwa:

    „Können sie denn nicht endlich den Mund halten und mit ihrem Gefummel aufhören?“

    Da du ja wohl erzogen scheinst könntest du ja nach einer kleinen Pause: „Gnädige Frau“ einschieben. Ich würde das allerdings nicht tun.

    Denn eins ist klar: die mochte dich einfach nicht – und die wird dich nie mögen – egal was du machst. Dann doch lieber den Ärger `raus lassen – anstatt Magengeschwüre zu riskieren (vom Runterschlucken…)

    Ich will dich aber natürlich in keinster Weise animieren, ältere Damen „anzupöbeln“ 😛 nein, nein – auf gar keinen Fall…

    Aber manchmal hilft´s – die gebotenen Gesetze der Höflichkeit kann man ja gerade noch so beachten…(„du alte Schachtel“ wäre ja schon grob unhöflich – ein ironisch formuliertes „gnä´ Frau“ reicht da vielleicht…)

    Vielleicht hörst du dir beim nächsten Mal doch besser die „Toten Hosen“ an – da ist es so laut, das man Gefummel und Geklimper nicht hört – und ältere Damen sind da auch nicht so viele…

    Gruss nach „Südbayern“

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