Studentenrabatt

In einem Businessforum, in dem ich aktiv ‚unterwegs‘ bin, habe ich durch eine Frage eine Diskussion zu einem neuen Thema ausgelöst und zwar die Frage nach Studentenrabatten.

Seit den frühen Morgenstunden versucht ein Student seine Meinung durchzusetzen und die Community davon zu überzeugen, dass die angebotene Premium Mitgliedschaft für Studierende doch bitte günstiger sein müsse… Denn immerhin werden auch diese einmal nicht mehr an der Uni sein und dann (vielleicht) voll zahlende Kunden werden. Für die Plattform wäre die Vergünstigung bestimmt von Vorteil, weil doch bestimmt mehrere 100(0[0])te Studenten neu hinzukommen und das Angebot in Anspruch annehmen würden…

Gegen sich hat dieser junge Herr mehrere andere User, die sich strikt gegen eine Vergünstigung für „Sondergruppen“ aussprechen. Denn immerhin bietet die kostenlose Mitgliedschaft ohnehin schon sehr viele Funktionen und für Personen, die nicht die monatliche Gebühr von ungerechnet circa zwei Cola bezahlen möchten, ist diese völlig ausreichend. Weiters wäre ein Sonderrabatt für allen anderen Kunden gegenüber unfair und man würde sich benachteilt fühlen.

Wie es ist
Nun ist es tatsächlich so, dass Studenten an vielen Ecken und Enden Sonderkonditionen erhalten. Viele Banken, Internetprovider, die öffentlichen Verkehrsbetriebe, Mobilfunknetzbetreiber, Zeitschriftenverlage und sogar manche PC und Notebookhersteller bieten für an Schulen und Universitäten inskribierte junge Menschen besondere Preisreduktionen an.

Pro
Wir alle waren einmal jung und damals glücklich, wenn wir bessere Konditionen (weil Jugendlicher, Schüler, Lehrling, Student), als die übrige Welt, erhalten haben. Während des Studiums hat diese Gruppe einfach weniger Geld zur Verfügung. (Auch wenn diese Gruppe danach monatlich vielleicht viel mehr Geld in der Tasche haben werden, als einer, der als Lehrling ins Berufsleben eingetreten ist.) Sie soll(t)en sich ja auch auf ihre Ausbildung konzentrieren.

Weiters verdienen Firmen trotzdem gut daran. Denn bestimmt geben Studenten für das eine oder andere deswegen Geld aus, weil es für sie durch die Vergünstigungen leistbarer wird. Firmen können also Geschäfte lukrieren, die sie ohne dem Endgegenkommen nicht gemacht hätten. Es ist einfach besser wenig als gar keinen Gewinn zu machen.

Contra
Allerdings können sich Firmen durch besondere Preispolitik auch viele Feinde machen. Denn immerhin gilt ganz allgemein der Werbeleitspruch eines bekannten Elektrokonzerns „Geiz ist geil“. Jeder möchte doch weniger bezahlen. Gerade in der heutigen Zeit, wo der Staat den Bürgern immer mehr Geld „wegnimmt“, die Inflation das Leben immer teurer macht und Firmen versuchen immer weniger Geld zu bezahlen (wie man es zuletzt ganz krass bei der deutschen Telekom miterleben durfte/konnte/musste).
Oder aber auch ein Selbstständiger, der gerade versucht eine Firma aufzubauen, ist vielleicht knapp bei Kasse. Dann wären da noch Arbeitslose oder Pensionisten oder oder oder… Man sieht nicht ein warum der eine, nur wegen einer Sonderstellung, weniger bezahlen muss, als man selbst.

Schluss…
Hier sieht man schon, dass die Frage Rabatt gewähren oder nicht, keine leichte und allgemeine Antwort zulässt. Aus Firmensicht finde ich es nachvollziehbar, warum über Rabatte nachgedacht wird und mancherorts auch vergeben werden. Auch wenn die Überprüfungen der Legitimationen hohe zusätzliche Kosten aufwerfen können.
Reduktionen erhalten oft auch Mitarbeiter von großen Konzernen. Man hofft dadurch mehr Kunden anzuziehen, wo sich sonst die Kunden auf verschiedene Firmen aufteilen würden.

Daher finde ich Rabatte in vielen Bereich durchwegs akzeptabel und in Ordnung, erfreulich und wünschenswert, in manchen anderen Bereichen allerdings nicht wirklich angebracht. Abgesehen davon ist es im Internet nicht üblich für Dienstleistungen, Content oder Foren Sonderkonditionen anzubieten.

2 Gedanken zu „Studentenrabatt

  1. Michael

    Interessanter Artikel, hier meine Anmerkungen dazu:

    1. Preisreduktionen von Studenten haben nicht nur den Folgeeffekt, dass Stundenten vielleicht später – eventuell als Besserverdiener – nachwievor bei diesem und jenem System bleiben, sondern ebenso, dass solche, die vielleicht eine Firma gründen oder in Positionen rücken, die Entscheidungen für eine Firma möglich machen, sich dann dafür entscheiden. Und wenn ich mir ausrechne, dass ein Durchschnittsstudent – sagen wir – 5 Jahre lange pro Monat einen Rabatt von 2 Euro erhält (300 EUR Verlust für die Firma), danach allerdings diese Firma mit einem Auftrag über 30 000 (oder auch nur 3 000 EUR) versorgt, dann hat sich dieser Rabatt gelohnt. (Beispiel: Microsoft-Lizenzen: Studentenpreis für Office: 130 EUR, Enterprise-Edition für eine kleine Firma: 7700 EUR!!!)

    2. Ganz allgemein möchte ich folgendes zum Thema sagen: Preisreduktionen für junge Menschen sind in Ordnung, da diese noch keine Chance haben, zu arbeiten – es sei denn, sie verschließen sich damit Ausbildungsmöglichkeit. Preisreduktionen für ältere Menschen… damit habe ich Probleme, denn: Diese Menschen haben bereits gearbeitet und Geld verdient. Sie sind eine riesige Gruppe, vor allem in Österreich und haben kaum Ausgaben (Kranke ausgenommen). Warum zahlt also ein gerade aus der Ausbildung kommender (ehemaliger Student) im Hallenbad den vollen Preis (wenn er vielleicht einen Kredit für die neu gegründete Firma laufen hat) während ein Pensionist, der bereits eine Wohnung hat, in Zukunft wohl keine Firma gründen wird oder Kinder bekommen wird, Ermäßigung erhält?

  2. Philomenon

    Lieber Michael! Danke für deinen Kommentar.

    Bei 1.) hast du bestimmt recht. Denn hat man sich erst mal an ein System gewöhnt und es liebgewonnen, ist die Wechselwahrscheinlichkeit gering.

    Zu 2.) denke ich, dass es in speziellen Fällen tatsächlich unfair ist, zB wenn der Firmengründer mehr bezahlen muss als der Pensionist.
    Allerdings traue ich mich zu verallgemeinern, dass der Altersgruppe zwischen (sagen wir mal) 25/30 bis 60/65 mehr Geld zur Verfügung steht, als einem Pensionisten mit über 70.
    Dagegen könnte man damit argumentieren, dass der Pensionist in jüngeren Jahren vorgedacht hätte haben können [ist das jetzt deutsch?]. Doch auch mit einer Zusatzpension bekommt man noch kein Vermögen. Außerdem denke ich, dass diese Form der Versicherung in den 60er und 70er Jahren noch nicht so gebräuchlich war.

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