Massaker von Nanking

Eine antijapanische Großdemonstration hat am Wochenende in China stattgefunden. Mehr als 20.000 Menschen befanden sich auf den Strassen und damit wurde es der großte Massenprotest seit über sechs Jahren. Grund dazu ist ein japanisches Schulbuch, welches letzte Woche Dienstag von der Regierung genehmigt wurde, in dem die Grausamkeiten der Japaner während des zweiten Weltkrieges bzw. dem „großasiatischen Krieg“ (1930-1945) in China verharmlost werden. So wird zum Beispiel das Massaker von Nanking in dem Schulbuch für 13 bis 15 Jährige als Zwischenfall bezeichnet. Ausgerechnet am Totengedenktag der Chinesen an dem auch an viele Millionen Kriegsoper gedacht wird, wurde das Buch freigegeben.

Sowohl japanische Geschäfte und Restaurants als auch die Botschaft und die Zweigstelle der japanischen Mitsubishi Bank in China wurde mit allerlei beworfen und teilweise zerstört. Die chinesische Polizei, die normalerweise absolute jede Demonstration sofort unterbindet und streng dagegen vorgeht (Soetwas habe ich selbst bei meiner Chinareise miterlebt. Ein Mann mit Plakat wurde auf einem öffentlichen Platz von mindestends zwei dutzend Polizisten sofort brutalst niedergeschlagen und dann sogleich mit herbeigebrachten „Wänden“ verdeckt.), duldet diese Aktion und sperrte dafür sogar Strassen ab. Man sichtete zwar unzählige zum Teil schwerst bewaffnete Polizisten bei den Protestmärschen, aber ohne Eingriffe. Noch nie hat es soetwas in China gegeben. So wurde auch gegen eine ständigen Mitgliedschaft der Japaner im Weltsicherheitsrat protestiert.

Tatsächlich wurde im Massaker von Nanking nach der Erstürmung am 13. Dezember 1937 bis zum Ende der Besetzung 1945 laut internationalem Militärtribunal über 300.000 Menschen bestialisch getötet, über 20.000 Frauen vergewaltigt und entführt, Kinder bei lebendigen Leib begraben und unvorstellbare Greueltaten vollzogen. Die chinesische Schätzung liegt noch weit höher und auch „irgendwann einmal“ hat ein japanisches Gericht von „über 200.000“ Menschen gesprochen. Die Brutalität und Grausamkeit mit der vorgegangen wurde, kannte (laut Presseberichten z.B.: Vienna Online) trotz des zweiten Weltkrieges keine Parallelen.

Schon 1999 berichtete die Zeit über einen untypisch japanischen und kriegslüsternen Comicband, ein sogenannter Manga mit dem Titel Senso-ron. Er wäre nicht der Rede wert, wäre der Comic nicht so eine megamäßiger Verkaufserfolg geworden. Eine Herabspielung des Krieges und zurechtfrisierte Selbstverherrlichung.

Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich ist Japan anscheinend nicht bereit seine Geschicht aufzuarbeiten. So schreibt der taz: „…Die lehnt eine schuldbewusste Sicht auf die Vergangenheit seit je ab, will in der imperialen Expansion Japans keine Aggression sehen und tut alles, um die von der kaiserlichen Armee begangenen Gräueltaten herunterzuspielen oder gar abzustreiten….“