Die große Lüge von Märchenprinzen und Traumfrauen

Der Glauben an die „große Liebe“ kann einiges kaputtmachen, denn Idealbilder kann man nicht verwirklichen

Quelle: derStandard.at

Weiterlesen und Kommentieren

Der Satz „sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende“ beendet jedes Märchen. Er lässt uns mit einer Traumvorstellung vom glücklichen Leben zu Zweit zurück. Er bringt uns zu Vergleichen mit der eigenen Realität, dem eigenen Partner und zur immer wieder aufkommenden Frage: „Ist er der Mann / Ist sie die Frau fürs Leben?“

In der Tat entscheidet sich laut britischen Forschungen schon beim ersten Kuss, wie lange man mit dem Partner zusammenbleiben will: Wenn man am Beginn dieses neuen Abschnitts nicht über die Dauer nachdenken möchte, hat die Liebschaft eine große Chance zu wachsen. Gehen die Eindrücke aber eher in Richtung “ Ein, zwei Jahre halten wir durch, länger nicht“, belügt er/sie sich in der Regel über diese Zeitspanne, bevor er/sie draufkommt, dass er/sie mit dem/der Anderen nichts gemeinsam hat.

Aber: Wo ist der Traummann? Wann kommt er endlich zu mir? Hat nicht ein Jeder das Recht auf ein gegengeschlechtliches Äquivalent? Einen Deckel, sozusagen?

Idealbilder kann man nicht verwirklichen

Die Idealvorstellung unseres Traumpartners bildet eine Reihe von Kriterien heraus, nach denen man reale Partner betrachtet und bewertet – die drei größten Bereiche hierbei sind Schönheit, Intellekt und sozialer Status. Wird einer dieser Gesichtspunkte mit „gut“ beurteilt, kommt das Gegenüber bereits als Lover in Frage. Und wird ab dem Zeitpunkt des ersten Kusses mit fiktiven und realen Sinnbildern von Liebe verglichen. Der Witz daran: Es ist leider unmöglich, auf Dauer glücklich verliebt zu sein.

Denn Leben ist ja bekanntlich ein Prozeß. Nie ist etwas gleichbleibend. Man kann zu Jemandem eine gute Basis haben oder enge Seelenverwandtschaft fühlen, ihn begehren, ihn lieben. Die gemeinsame Zeit jedoch muss man bewusst genießen, um eine gute Beziehung führen zu können, sich damit abfinden, dass Verliebtheit nicht immer automatisch mitschwingt. Die Momente, in denen sie einen wie eine Drogen berauscht, im Herzen behalten.

Realität kann sehr unbefriedigend sein. Nicht zulassen sollte man jegliche Art von Assoziationen, die die echte Welt mit der fiktiven im Kopf gleichsetzen. Denn hierbei kann die Wirklichkeit nur der Verlierer sein.

3 Gedanken zu „Die große Lüge von Märchenprinzen und Traumfrauen

  1. Phoenix

    Mein momentaner Eindruck ist, daß die Wegwerfgesellschaft und der damit einhergehende Bedarf nach immer Neuerem, Besserem, nach absoluter Perfektion und ultimativem Lebensgefühl die Menschen langsam aber sicher zu einer Art von Gemüseeintopf verarbeitet. Jeder will alles, davon das Beste und mehr als nötig. Und wenn wir genug davon haben, werfen wir´s doch einfach weg. Neue Dinge sind doch viel cooler, als die alten, aufpolierten Dinger.

    Traumprinzen und Traumprinzessinnen, die echt zusammenpassen gibt es meiner Schätzung nach bestenfalls 2-3% der Weltbevölkerung auf maximal 30% ihrer Lebensspanne.

    Wie seht Ihr das?

    Ich lasse mich gerne von (m)einer Traumprinzessin vom Gegenteil überzeugen.

    Erkenntnis des Tages: Kaffee hilft nicht gegen Tagträume.

  2. philharmoniker

    ich denke, es ist leider wahr dass man den traumann/frau nie findet. irgendetwas gibt es immer, was einen stört, früher oder später findet man es. dennoch sollte man mit seinem „lebensabschnittspartner“ eine glückliche zeit verbringen,d enn sie wird nicht ewig dauern. wenn ich mir ansehe, wieviele leute sich scheiden lassen und dass sie sich früher genauso betrogen bzw nicht mehr geliebt haben, (sondern nur wegen der gesellschaftlichen vorschriften zusammengeblieben sind)kann die theorie von „sie lebten glücklich bis an ihr lebensende“ nicht stimmen. eine zeitlang ist man glücklich aber nach ein paar (manchmal mehr, manchmal weniger) jahren werden die störfaktoren immer bedeutender. da man heutztage sich sowieso nciht allzugern mit unangenehmen dingen auseinandersetzt bzw zu bequem ist, ein problem wirklich zu überlgen, ergründen und danach beheben zu wollen, nehmen die meisten leuteden einfacheren weg: scheidung/ schluss machen.

    ich werde die zeit mit meinen lebensabschnittspartnern glücklich verbringen, dennoch die hoffnung, einmal einen mann fürs leben zu finden nicht aufgeben.vermutlich kommt er aber erst später, wenn ich wirklich zeit habe mich auf soetwas einzulassen, also mit 40 oder 50 wenn ihc einen gesicherten job und wohnsitz habe.

Kommentare sind geschlossen.